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Im Dunkel der Nacht
Wenn die Uhr auf fünf oder sechs zeigt, wird es - Ende Dezember - schon sehr dunkel in Nordirland. Das bereitet große Schwierigkeiten wenn der Hund Ausgang haben muß. Wenn man bis vier oder fünf arbeitet, noch einkauft und - zum Beispiel - noch einen freundlichen, sprachlich begabten Mitbürger trifft, kann der Termin etwas auf der falschen Grenze vom Tageslicht geraten. Das passierte mir an diesem Tag. Der Mond war wo immer Monde sind um eine mondlose Nacht mondlos zu machen, die Sterne versteckten sich hinter den Wolken und ich hatte wieder einmal die Zeit vergessen. Es gibt Menschen die ahnen nicht an wieviele Sachen sich so ein Border Collie gewöhnt. Wenn das Wesen jeden Morgen und Abend einen Spaziergang bekommt - das erwartet er dann auch. Es geht ihn nichts an ob gerade ein musikalisches Meisterstück komponiert geworden ist oder das - zum Beispiel - Finvola, das Kleinod der Roe an die Ufer ihres schönen Flusses zurückgekehrt ist - Auslauf ist Auslauf und Versprechen sind heilig.
(Mein Hund spricht nur Englisch, versteht aber Deutsch)
"Rough, Rough!".
"Byeee.."
Wedel,wedel
KRACH/ ABPRALLEN .........." Yaiks"
Öffne Auto,
Acht Minuten später parkten wir vermutlich im Parkplatz am unteren Ende des Country Parks. Ich sage "vermutlich",denn die Nacht war so schwarz, Kalkutta hätte Limavady über Markenzeichen Mißbrauch verklagen können. Ich schaltete die Scheinwerfer ab, stolperte um das Auto herum, öffnete die Hintertür für Tudor, und verirrte mich augenblicklich.
Tudor und ich im Country Park
In diesem Augenblick kam ich mir ziemlich dämlich vor und hätte mich gerne wieder in das Auto getastet. Ein kurzsichtiger, beinahe alter Mann der mit seinem Hund des Nachts in totaler Finsternis herum spaziert ist immer ein vergnügender Anblick. Ein kurzes Selbstgespräch überredete mich das es ganz egal war: Andere konnten mich ja auch nicht sehen. Es denkt der Mensch ......... In der Mitte des Parkplatzes erhielt ich schon den ersten Schock einer verblüfften Verwunderung.denn als sich meine Augen an die Finsternis so gewöhnen begannen, bemerkte ich den grauen Umriß eines Autos. Eine dunkle Gestalt beugte sich in den Kofferraum - beleuchtet von dem geisterhaften Flickern eines Lagerfeuers. Eine seltsame, gestikulierende Gestalt, im Lichte eines Lagerfeuers vom Kofferraum eines Autos ist kein alltäglicher Anblick, weshalb ich mich so schnell wie möglich davon machte. Die seltsame Gestalt bemerkte mein Ab - so wenig wie vorher meine Anwesenheit. Tudor, der hauptsächlich Schwarz ist konnte überhaupt nicht gesehen werden, aber ich konnte in hören.
Scramble scramble, pee, pee, kratz, kratz -
So gingen wir zögernd in die total, pechschwarze Finsternis der Nacht. Nachdem wir das seltsame Lagerfeuer hinter uns gelassen hatten, wurde es immer dunkler, bis ich weder Hund, noch Wald, noch Irgendetwas sehen konnte. ich zögerte. Zu meiner Rechten, daß wußte ich, war eine tiefe Schlucht und ich hoffte das Tudor klug genug war nicht hinabzufallen. Zur linken Seite hin konnte ich mich nur an Bäume erinnern. Ich ging nach links, stieß mit einer soliden Pflanze die größer als ich war zusammen, und fühlte mich augenblicklich sicher. Es war gerade in diesem Augenblick daß ich ein sich näherndes Fahrrad hörte. Es klapperte rasend den Pfad hinauf. Keine Lampe, und - soviel ich weiß, auch keine Klingel. Der Fahrer muß entweder gute Nachtsicht oder ein Teufelsglück gehabt haben, denn ich sah weder ihn noch seinen Krankenwagen je wieder. Er wurde von zwei anderen Fahrrädern verfolgt, die sich irgendwie kleiner anhörten. Ich hatte mich kaum von meiner Überraschung erholt als zwei junge Leute vorbei gebummelt kamen. Sie hielten eine Laute Unterhaltung die aller Welt klar machte das die heutige Nacht sehr dunkle sei. Ich tastete in dieser Dunkelheit herum um den Hund zu finden, aber Tudor konnte nicht gefühlt werden. Ich wollte nicht gerne pfeifen, da das unbekannte Paar sich hätte erschrecken, fliehen und in den Abgrund stürzen können. Wenn ich so darüber nachdachte schien es besser und humaner zu sein sie über den Hund stolpern zu lassen und vielleicht ein bißchen gebissen zu werden. Die Beiden Geschwätzigen gingen vorüber, völlig ahnungslos daß ein Verrückter mit Hund auf ihrer rechten Seite lauerte. Endlich war ich allein im Wald. Ich hörte Tudor im Gebüsch rumschnüffeln und ich atmete tief an der herrlichen Nachtluft und fing an mich zu wundern warum der Park von so vielen Menschen wimmelte - in einer Nacht so dunkel das die Bäume Angst hatten herumzulaufen. Ich bereitete meinen Geist für den kommenden Frieden, den man in einem Country Park erwarten kann, vor und freute mich auf die nächtliche Ruhe. Dieses war der genaue Augenblick in dem ich das unverkennbare Geräusch eines sich nähernden Joggers hörte. Ich blieb mucks still und berührte meinen freundlichen Baum um mich zu vergewissern das ich nicht in der Mitte des Weges stand. Joggers sind oft sehr dicke Menschen mit einer großen Masse mit der sie einen Über den Haufen rennen können, sollte man im Dunkeln zusammenstoßen. Und dieser Jogger klang umfangreich! Wie er wußte wohin er ging war mir so wenig klar als warum Limavady plötzlich von einer Rasse nachtsichtiger Katzenmenschen bewohnt so sein schien. Das Röcheln des Joggers klang todesnahe. Wahrscheinlich hatte er sich munter auf einen einstündigen Nachmittagslauf gemacht und es war ihm zwei Stunden später klar geworden das es dunkel war, und das sein Haus viel weiter entfernt war als seine Ausdauer. Ich wunderte mich ob ich rufen sollte: "Paß auf, links kann man abstürzen!" als sein Schnaufen plötzlich endete und der Wald wurde geheimnisvoller weise ein bißchen dunkler und einen Hauch ruhiger. Irgendwie hatte der unbekannte Sportler meine Anwesenheit bemerkt. Vielleicht hatte ich ein kleines Geräusch gemacht. Hatte ich heute schon geduscht? Möglicherweise hat er den Hund gehört, der jetzt bei meiner Seite war. Normalerweise mache ich mir keine Sorgen im Dunkeln. Sollte ich Angst haben, wie furchterregt müssen all Anderen sein? Aber jetzt machte ich mir Sorgen. Wie kam es daß eine atemlose Person plötzlich so geräuschlos sein konnte? Hatte er sich vielleicht zu Tode gefürchtet, oder war es noch schlimmer? Die fürchterliche Stille wurde von einer klitzekleinen Stimme unterbrochen - nur wenige Zentimeter entfernt: "Ist dort Irgendjemand da?"
Der Jogger, Tudor und ich.
Der Wald schwieg. "Keine Angst" antwortete ich, und versuchte verzweifelt in diese Situation zu wachsen, verlor aber den ungleichen Kampf"Ich gebe nur meinem Hund Auslauf."
Schon trabte er weiter, sein Schnaufen verschwand in der Entfernung. Dieses war der Augenblick der Entscheidung. Ich hatte genug. Ich mied die Stelle wo der unsichtbare Jogger gestanden hatte - es könnte ja sein das seine letzte Bemerkung eine Beobachtung gewesen war - ich pfiff nach dem Hund und ging Richtung Parkplatz. Ich bot dem tauben Kofferraumlagerfeuerentusiast eine Gute Nacht und ging nach Haus. |