| Eine sehr kurze Geschichte der Stadt Limavady |
|
Die Hänge der Berge, die das Tal der Roe bilden,
sind schon vor vielen, vielen Jahren
besiedelt worden; die vielen Hünengräber sind deren
schweigsame Zeugen. Man sagt dass die neue Stadt Limavady (Newtoun
Lemavady) schon im frühen sechzehnten Jahrhundert gegründet
worden sei, und dass sie zweimal niedergebrannt wurde, noch ehe das
Jahrhundert vorüber war. Dies ist leichter gesagt als getan, denn
der ewige Regen, der hier seit der Zeit, in der die Dinosaurier
herrschten (seltsam wie wenig sich die Verhältnisse geändert
haben), heruntergetropft ist, muss dieses Kunststück fast
unmöglich gemacht haben.
Zahllose Mitglieder dieser liebenswerten Hunderasse bevölkern noch immer das Tal. Jeder von ihnen ist fest entschlossen, nicht nur die O'Cahans zu retten - sollte dies mal wieder nötig werden - sondern auch Irland und - bevorzugterweise - den gesamten Planeten.
|
|
Von Zeit zu Zeit wirkte das Roe Valley wie ein Magnet auf verschiedene Machotypen, sobald sie mal Lust zum Plündern hatten. Die Kelten kamen im frühen Eisenzeitalter und verbreiteten sich über ganz Irland - oder so hat man einmal gedacht. Neue DNS Forschung hat keine Spuren der Kelten in der heutigen Bevölkerung gefunden. Einige dieser frühen Bewohner waren ziemlich unvorsichtig mit ihren golden Schmucksachen und Opfergaben. Das berühmte Gold von Broighter, das von einem sehr überrascht aussehenden Landarbeiter außerhalb Limavady gefunden wurde, ist ein wunderbares Beispiel keltischer Kunstarbeit. Das Tal war damals gut bewohnt, wie es die vielen alten Raths bezeugen. Das Rough Fort ist so ein von einem Erdwall umringtes Bauernhofüberbleibsel. Der Hof und der Bauer sind längst verschwunden, aber der Erdwall hat viele Jahrhunderte überlebt. |
|
|
Während des achten und neunten Jahrhunderts erschienen hier die Wikinger und ein oder zwei Schlachten wurden in der Umgebung geschlagen. Es wird gemurmelt dass es den Nordmännern manches Mal mulmig geworden ist, aber letzten Endes haben sie gewonnen. Danach kamen die Normannen, die nicht nur auf Raubzüge gingen, sondern sich entschlossen, hier zu bleiben. Sie lebten in der 'Manor von Ro'. (Roe) und hatten schon zwei Wassermühlen. Die Kraft des Wassers hat viele ins Tal gezogen. Die Normannen wurden jedoch von einer anderen Invasion vertrieben - diesmal von Schottland, denn in 1315 kam Edward Bruce mit seinen Truppen, zerstörte die 'Manor von Ro' und vertrieb die Normannen. Diese Schlägerei zwischen Fremden benutzte der einheimische Stamm der O'Cahans sich an die Macht zu bringen. Frieden kam trotzdem nicht, denn die verschiedenen Stämme, die in der Gegend wohnten, nahmen an, dass Frieden immer nur anderswo herrschen sollte. Wenn man bedenkt wie abgelegen diese Gegend ist und dass es hier kaum Bodenschätze gibt kann man dieses freundliche Interesse all dieser Ausländer nur mit Genugtuung vernehmen. Als nächster war Heinrich der Achte dran. All diese Ehefrauen langweilten ihn und er entschloss sich, Irland zu überrennen, ehe es die Spanier taten, und um 1591 hatten sich die Länder der O'Cahans in eine Grafschaft verwandelt und wir hören zum ersten Male von der 'Baronie Lymbavadye'. Die Einheimischen rebellierten natürlich, doch um 1609 wurden sie besiegt - die irischen Grafen flohen und die Plantation (Besiedlung) war an der Reihe. Weil Ulster am schwersten von ganz Irland zu regieren war - welch eine Überraschung - wurde der größte Teil der Provinz von der englischen Krone übernommen und Stück für Stück an Freunde und Kumpel verteilt - eine frühzeitige Art der Privatisierung. |
Das Tal der Roe wurde unter den vier großen Zünften aus London verteilt. Die Fischhändler - deren
leicht verstümmeltes Wappen man rechts sehen kann, die Lebensmittelhändler, die Kurzwarenhändler
und die Gerber verlosten die Gegend vergnüglich unter sich. Da war auch noch Hauptmann Thomas Philips, der
ein paar Jahre vorher die Burg der O'Neils in Toome eingenommen hatte. Sir Thomas überredete die
Regierung ihm den 'Pferdeteich von Limavady' zu überlassen. 3 500 Hektar des besten Landes im Tal -
er ist das Vorbild aller Grundstücksmakler in der Umgebung.
Während er seine Reichtümer entwickelte, gründete er einen kleinen Ort mit ein paar Häusern und einem Gasthof und nannte diesen 'Limma Vadde'. In 1612 wurde der Stadt die Selbstverwaltung gegeben und sie bekam das Recht, zwei Abgeordnete fürs Parlament zu wählen. Im Jahre 1842 reiste der Dichter und Schriftsteller William Makepeace Thackeray durch Limavady und beschrieb den Besuch in einer hiesigen Kneipe in seinem Reisebericht "The Irish Sketch Book". Es scheint, er hat sich augenblicklich in eine Einheimische verliebt. Zum Beweis lese man nur das heitere Gedicht "Die Peg von Limavaddy" . Ich kann dem jungen Makepeace nur zustimmen, denn ich habe vor dreißig Jahren etwas Ähnliches getan - habe die Schöne allerdings geheiratet. Im Jahre 1870 hatten die Bewohner der Stadt endlich den langen Namen "Newtownlimavady" satt und seitdem heißt die Stadt ganz einfach "Limavady". Sechsundzwanzig Jahre später fand ein pflügender Bauer das berühmte 3000 Jahre alte Broighter Gold. Man kann es heutzutage im Dubliner Irischen Nationalmuseum bewundern. Ein Duplikat dieser schönen goldenen Schmuckstücke konnte einst im Country Park Centre außerhalb der Stadt bewundert werden, aber sie sind normalerweise im Ulster Museum in Belfast zu finden. |
Es wird weiterhin berichtet, dass Jane Ross die berühmte Melodie "The Londonderry
Air", also "Danny boy" aufschrieb, als sie außerhalb ihres Fensters
von einem blinden Geiger gespielt wurde. Dieses ist ein frühes Beispiel der
Softwarepiraterie, einer alten Sitte die von den jüngeren
Einwohnern dieser schönen Stadt noch immer mit großer Begeisterung aufrechterhalten wird.
Der Name "Ross" ist noch immer weit verbreitet in der Gegend und viele Leute kommen nach Limavady nur, um dort zu sein wo sie einmal gelebt hat. Um 1900 versuchte man die Wälder entlang der Roe zu verkaufen, so dass Unbekannte, in Besitz von was damals als Kettensäge diente, die schönen Bäume abhauen konnten. Glücklicherweise gingen viele der Einwohner so gerne entlang der Roe spazieren und so sammelten sie genug Geld ein, um die Wälder zu kaufen - das erste Waldschutzgebiet in Irland. Limavady hat auch einen zukünftigen Prime Minister von Neuseeland hervorgebracht. Massey Avenue wurde nach dem ehrenhaften Gentleman benannt und vor kurzem haben sie sogar ein Denkmal für diesen großen Bürger der Stadt errichtet. Während des letzten Weltkrieges hatte die Gegend um Limavady die zu Amerika nächstgelegenen Flugplätze in Großbritannien. Tausende von amerikanischen und kanadischen Piloten und Mannschaften bemannten die Flugfelder von Aghanloo und Eglington. Für eine kurze Zeit gab es hier also ein großes Gedränge und viel Lärm. Man kann noch immer viele der alten Militärgebäude sehen und Liebhaber der Geschichte können studieren, wie die Soldaten in 1942 gewohnt haben.
Die alte Flugleitzentrale mit Benevenagh im Hintergrund. |
Vor ein paar Jahren gab es eine neue Aufregung als ein anderer Flieger - Richard Branson
- mit seinem silbernen Ballon über Limavady flog. Branson und sein Kopilot hatten gerade
den Atlantik von Amerika her überquert. Die wagemutigen Männer landeten ihr rundes
Fahrzeug kurzzeitig auf einem Acker am Rande der Stadt, verloren einige Gasflaschen und flogen
wieder weiter. Wenig später stürzten sie in der Nähe der Insel Rathlin in den
Atlantik. Die kurze Landung in Limavady war allerdings genug, um für sie den neuen Weltrekord
des ersten Amerika-Europa Ballonfluges sicherzustellen.
Nur wenige Menschen wissen dass die beiden Männer auch den Weltrekord für die
umständlichste Gaslieferung aller Zeiten halten. Während der letzten schweren Zeiten in Nordirland ist auch das Tal der Roe nicht verschont geblieben. Viele Menschen haben Verwandte oder Freunde verloren. Trotzdem ist Limavady die gleiche nette und freundliche Stadt geblieben, die sie immer war. Fremde sind stets willkommen, wenn sie die Stadt und die großartige Landschaft besuchen. |
|
Zurück zur Geschichtsseite
|
Zurück zum Anfang
|
Die nächste Seite
|