Der Müller hielt nicht viel davon
von schmaler Malerei -
und auch dem Maler wurde schon
das Malen Einerlei.
Drum sprach zum Müll- der Malersmann:
"Komm' Müller, tauschen wir.
Statt mahlen, male mal, sodann
mahl' ich dein Schmales dir."
Laut pries er Müller diese Wahl,
denn er fand Malen tütt.
Nun mahlt der Maler Schmales schmal,
der Müller malt ein Dütt.
Bald ward's dem Müller wärmelich
beim malen ohne H.
"Mal' Du. Mir geht's erbärmelich."
Der Maler sagte "Ja".
Nun mahlte er mal Schmales schmal,
mal malte er einmal,
doch wollte er mal malen mal
so mahlte er zu schmal.
Mahnmalig mahlte der Maler,
dann ging sein Hirn verschütt.
Erst malte der Maler schmaler,
dann mahlte er sein Dütt.
Er senkt das Bein, er gähnt, besinnt sich
bejault den Floh im Chor,
er hebt das Bein und sehr empfindlich
kratzt er sich hinterm Ohr.
Er senkt das Bein, er gähnt und plötzlich,
ich weiß es klingt absurd,
kratzt er sich ausführ- und ergötzlich
die braune Hundefurt.
Wie dieser Hund, genußvoll sündlich
mit seinem Hinterlauf,
den braunen Hintern beinah' stündlich
gekratzt hat, fiel mir auf.
In diesem Ort, romantisch stille,
da geh' ich manches Manchemal
aus einer unbekannten Grille
zu jenem schweigenden Kanal,
der duldsam und zu jeder Stunde,
die lauen Wasser flohbehüpft,
aus einem rätselhaften Grunde
den Dorfplatz mit dem See verknüpft.
Hier sitz' ich oft im Herbst und rahme
in seine dunkelgraue Flut,
das Bildnis jener holden Dame,
die schnell wie er versumpfen tut.
Im Frühling, wenn die Sonne häufig,
hat Mancher hier 'ne schöne Zeit
Des Sonntags ist's oft gegenläufig:
der Pfarrer flucht der Sinnlichkeit.
Im Sommer, wenn die Kirschen blühen
in ihrer himmlisch blauen Pracht,
wenn Forscher sich herbeibemühen,
und sinnen wie die Kirsch' das macht,
wenn Alle nach Italjen fahren
und Opa mal Chianti trinkt,
gleicht der Kanal den ob'gen Scharen:
Er sonnt sich, er wird braun und stinkt.
Er war der Liebling seiner Lehrer
und schrieb nie eine Vier.
Stets hatten es die Ander'n schwerer,
er war ein Mustertier.
Auch später blieb er erste Klasse,
das Glück stand stets parat.
Beim Hitler war er Herrenrasse,
beim Ami Demokrat.
Ein Raucher ist er nie gewesen,
nahm eine blonde Frau,
tat nie des Nachts im Bette lesen
und war auch sonst genau.
Er hatte, als er starb nach Jahren,
noch volles weißes Haar.
Und niemand hat es je erfahren
was wo und wie er war.
Pro-Prolog
Also ist der Weltengang:
wer nichts lernt, der lebt nicht lang,
denn auf die weite Sicht gesehen
kann nur der Fleißige bestehen,
und ohne drehen, fräsen, bohren
ist man auf dieser Welt verloren.
Auch sollte möglichst man verweilen,
beim Üben mit den langen Feilen,
und was gilt heut' schon der Mann
der nicht richtig schleifen kann?
Prolog
Doch nicht allein nur praktisch Können,
muss man dem armen Denkfach gönnen.
Oh nein, auch graue Theorie
erfordert große Energie.
Darum muss man sich Bücher kaufen
um damit zur Schule laufen,
denn zur Entfaltung inn'rer Gaben
muss man auch einen Lehrer haben
der dann, mit Mundwerk und Verstand
den Schüler auf dem Stuhle bannt.
Jedoch, so spricht klug der Gerechte:
es gibt da Gute - doch auch Schlechte,
und dieses spöttische Gedicht
erzählt von einem Guten nicht.
Die eine Seite
Ach, was hört man so von Klassen
welche ihren Lehrer hassen,
welche voll von rauen Knaben
die, anstatt schön Acht zu haben,
wie es brave Schüler sollen
ständig mit dem Lehrer grollen;
die, anstatt was zu notieren
böse Streich ausprobieren!
Sie kennen nicht mal Ohms Gesetz,
des Lehrers Weisheit heißt Geschwätz
und von den Magnetgewalten
tun sie überhaupt nichts halten.
Sind unaufmerksam, reißen Witze,
sie stellen hoch des Ofens Hitze,
sie spritzten, oh welch grässlich Mittel
mit Tinte blau des Lehrers Kittel
und hängen dann, es ist ein Hohn,
daran noch einen Luftballon.
So ärgerten sie diesen Mann
und hatten ihren Spaß daran.
Die andere Seite
Mit der Mappe in der Hand
kommt die Lehrkraft angerannt.
Jeden Morgen, unter Plagen
steigt er aus dem 'Achterwagen',
eine Hand im Hosensack,
hell Krawatte, dunkler Frack,
die Miene streng und falsch der Zahn
mit spitzen Schuhen angetan,
Haare weiß und nass das Kinn,
Jugendzeiten stets im Sinn,
die Fisage ist ein Graus:
so sieht unser Karlchen aus.
Theorie
An jeder Tür, ob klein ob groß,
da hängt zur Sicherheit ein Schloss.
Außer einem Schlüsselloch
braucht man einen Schlüssel noch.
Man steckt in rein und dreht ihn um:
Ganoven gucken nachher dumm.
Doch wie ja mit fast allen Sachen
kann man es auch ganz anders machen.
Zum Beispiel: macht man's hier verkehrt,
kann's sein dass jemand eingesperrt.
Die Tat
Die VI Em, man kann wohl sagen
ist angefüllt mit bösen Blagen.
Mit ihnen hat's auch Karl der Lehrer
ganz besonders schwehr und schwehrer.
Nun höret welchen dummen Streich
diese Lehrkraft machte weich.
Karlchen sass im Lehrerzimmer
und aß sein Frühstück, wie er's immer
wenn die Zeit gekommen ist
mit Genuss hinunter frisst.
Die Schüler sind im Freien - doch:
der Schlüssel steckt im Schlüsselloch.
Dies sah ein Knabe, der nicht dumm,
rennt hin und dreht den Schlüssel um.
Darauf geht er vergnügt und heiter
mit stillem Grinsen, einfach weiter.
Die Reaktion
Karlchen, als die Zeit gekommen,
hat die Notizen aufgenommen,
wischt noch mit vergnügtem Sinn
übers nasse Doppelkinn,
und so gewappnet für die Stunde
blickt er nochmals in die Runde
und macht sich auf und eilt sodann
zur Türe, und er zieht daran.
Zwar ließ die Klinke leicht sich drücken,
doch wollt die Tür kein Jota rücken.
Diese Angelegenheit
ging dem Mann nun doch zu weit,
denn da er darauf nicht gefasst,
hat's ihm nicht in den Kram gepasst,
und schauerlich wurd' es im klar,
dass er eingeschlossen war.
Die Flucht
Nun war dieser brave Lehrer
von der Freiheit ein Verehrer,
was man einem alten Mann
auch nicht übel nehmen kann.
Zunächst, nach der Gewohnheit Wille
wischt er schnell an seiner Brille,
reibt auch noch die müden Augen,
die unbewehrt zu nichts mehr taugen
und stülpt sich dann den Brillenflügel
über seinen Nasenhügel.
Nach einem letzten Augenreiben
durchblickt er kühn die Fensterscheiben,
denn dadurch möcht' er gern entflieh'n,
allein, es war zu tief für ihn.
Ein Meter fünfzig ist zuviel,
für sein sportliches Profil.
Rettung
Ein fremder Schüler, der nicht weit
hat den Gefangenen befreit,
denn der Schlüssel, welch ein Schrecken,
ließ man aus Versehen stecken.
Strafpredigt
Karlchen eilt vor Wut ganz bleich
in sein Klassenamtsbereich
und brüllt: "Wer mich da eingeschlossen
soll sich jetzt melden, unverdrossen!"
Der Klassensprecher hob den Finger
's war Erben, unser Meistersinger.
"Immer wir, na allerhand"
sagte Erben, der Pedant.
"Sie meinen natürlich ich sei dumm
und reite auf Kleinigkeiten herum.
Na ja, das ist bei Ihnen ja Brauch."
Karlchen schreit: "Das tust Du ja auch!".
Ein Lachen hallte durchs Parkett,
das fand der Lehrer gar nicht nett.
"Wenn sich nicht meldet wehr's gewest
dann gibt es ganz bestimmt Arrest.
Der Kerl der dieses hat gewagt"
hat er uns daraufhin gesagt,
"der ist nicht nur geistig klein,
nein - er ist auch noch gemein!"